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Antje Grosch

Im Oktober 1973 in Halle an der Saale geboren, endete meine Schulphase an einer Polytechnischen Oberschule im Jahre 1990. Dem glücklichen Verlauf der Geschichte geschuldet, begann ich noch im selben Jahr eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der örtlichen Sparkasse.

Während dieser Zeit reifte der Wunsch nach einer Karriere an der Frankfurter Wertpapierbörse. Sieben Jahre später bot sich die Chance und ging ich zum Bankhaus Sal. Oppenheim nach Frankfurt am Main. Als Institutional Equity Sales hatte ich von nun an regelmäßig die Gelegenheit, Börsenluft zu schnuppern.

Durch den späteren Wechsel zur Schweizer Privatbank Julius Bär lernte ich meinen zukünftigen Ehemann kennen. Gemeinsam erlebten wir den Aufstieg und den Fall des Neuen Marktes sowie 9/11 in der 49. Etage des Messeturms.

Spätestens 2003 war uns beiden klar, dass das Finanzsystem auf Dauer so nicht funktionieren kann und vertrauten wir darauf, dass das Leben noch mehr Zufälle für uns bereit hält. Wir kündigten unsere Jobs und starteten ohne genaues Ziel nach Asien.

Cambodia faszinierte uns und hier ergab es sich dann auch, dass wir eine amerikanische Designerin kennenlernten, die Handtaschen aus Seide von Landminenopfern in liebevoller Handarbeit fertigen ließ. Dieses Fair Trade Projekt fühlte sich nicht nur gut an, sondern vereinbarte sich wunderbar mit dem glücklichen Umstand, in den ‚9 Straatjes‘ von Amsterdam, der Heimat meines Mannes, ein kleines Ladengeschäft anmieten zu können, um von dort aus in den darauf folgenden Jahren einen Mode Accessoires Großhandel zu betreiben.

Das Heimweh packte mich 2007 und so zog ich zurück in die Saalestadt.

Zu dieser Zeit erwog das junge niederländische Unternehmen RITUALS… eine Expansion nach Deutschland. Mit meinem Verständnis für die holländische Kultur und Sprache gepaart mit der Leidenschaft für die Lifestyle Marke etablierten wir diese in den darauffolgenden vier Jahren erfolgreich am deutschen Markt.

Nach einem Abstecher als Projektmanager bei Deutschlands ältester Schokoladenfabrik beendete ich als Head of Retail bei Europas führendem Tennis Ausstatter Ende 2017 meine bis dahin auf Finance und Kommerz ausgerichtete Karriere. Noch während dieser letzten kommerziellen Phase begann ich eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin im Hospiz.
Bereits seit mehr als zehn Jahren schwebte mir diese Vision durch den Kopf. Den Impuls gab der Übergang der Oma meines Mannes, dem ich zufällig beiwohnen durfte.

Die alte Dame schlief nach einem langen erfüllten Leben ganz friedlich ein. Ihre Tochter saß an ihrer Seite und hielt ihre Hand. Das Gefühl von damals, diese tiefe Zufriedenheit der beiden, gepaart mit den Gedanken, wie traurig es wohl sein mag, wenn man alleine stirbt, setzte das Fundament, viele Jahre später mit einer Ausbildung zur Sterbebegleiterin zu beginnen.

Der plötzliche und viel zu frühe Tod eines guten Freundes formten zusammen mit Lunas Diagnose den Rohbau für HOCH LEBEN, um mit meiner Ausbildung als Sterbebegleiterin das Dach zu setzen, und von nun an das Haus von innen einzurichten.

Die einjährige Ausbildung umfasste Themen wie Kommunikation, Umgang mit Ängsten, Sterbe- und Trauerphänomene, Rituale, Krankheitsbilder, Einblicke in die Schmerztherapie und vieles mehr. Auch die Beschäftigung mit unserer eigenen Endlichkeit und die Bearbeitung von eigenen Trauererfahrungen gehörten dazu. So ebnet der Weg meines Lebens ein breites Spektrum an Wissen, Weisheit, Spiritualität und Erfahrung für meine Berufung als Sterbebegleiterin.

Der Zufall wollte es, dass Luna nach Beendigung der Ausbildung meine erste Begleitung im stationären Hospiz wurde.

Aus diesen Erfahrungen auf Lunas letzter Reise entstand die Puzzlestück Fürsorgevollmacht – ein allumfassendes Buch, in dem man alles regeln kann, was es zu regeln gibt, sollte man einmal nicht mehr sein.

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